
Tag der Ergotherapie - Tirol
Ein Bericht von Heike Fink
Wenn dich eine 90-jährige Dame von der Leinwand anschaut und mit einem Schmunzeln bedauert, dass sie wahrscheinlich nie mehr eine Psychose haben würde und es darum fast ein bisschen schade ist, geht nach einem kurzen Staunen ein belustigtes Lächeln durch die Zuschauerreihen.
So geschehen am 27. Oktober 2011, dem vierten internationalen Tag der Ergotherapie. Der Einladung zu diesem Tag sind in Tirol über 100 ErgotherapeutInnen und FreundInnen der Ergotherapie gefolgt und haben gemeinsam das beeindruckende Filmportrait von Dorothea Buck im Leokino in Innsbruck gesehen. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Ergotherapeutin Eva Reheis und die Studierende des Studiengangs Ergotherapie Annatina Mölschl folgte ein bis auf den letzten Sitz- und Stehplatz voller Kinosaal gespannt, schmunzelnd und berührt der Lebensgeschichte dieser Frau.
Dorothea Buck, geboren 1917 in Norddeutschland, ist in vielerlei Hinsicht eine außergewöhnliche Frau. Im Alter von 17 Jahren erkrankte sie zum ersten Mal an einer Schizophrenie. Als Patientin erlebte sie sowohl die Behandlungsmethoden im faschistischen Regime, als auch die Entwicklung der Behandlung und des Zugangs zu Psychiatrie-Betroffenen bis heute. Eindrucksvoll betont sie, dass ein zentrales Element in Richtung Gesundheit der persönliche Zugang - das Verstehen ihrer Psychose bzw. die Integration der Symbole aus dem Unbewussten in ihr Bewusstsein - sei. Aus dieser Reflexion konnte sie ihre gesunde schöpferische Kraft beruflich nutzen, eine erfolgreiche Bildhauerin und Lehrerin werden. Daneben wurde sie nie müde, sich für einen emanzipatorischen Ansatz in der Arbeit mit Betroffenen einzusetzen und sie stand an vorderster Front bei der Gründung des Trialogs.
Im Anschluss an den Film gab es bei einem Gläschen Sekt ausreichend Möglichkeiten, für unsere ErgotherapeutInnen und unsere Gäste, sich auszutauschen, über den Film zu diskutieren, die Rolle des Handwerks und des künstlerischen, nicht sprachlichen Ausdrucks zu debattieren - KollgeInnen von heute und früher zu treffen. "Ich freue mich, einige KollegInnen getroffen zu haben, dich ich schon sehr lange nicht mehr gesehen habe", sagt Margarete Heim, Studiengangsleiterin in Innsbruck.
Wer nach dem Flim nicht genug hatte, konnte zum Weiterlesen das Buch erwerben. Des Plakat, das die Studierenden der fhg und der Arbeitskreis Psychiatrie entworfen haben, fand großen Anklang und Absatz. Für die werdenden ErgotherapeutInnen war es eine schöne Gelgenheit, in die "Szene" hineinzuwachsen und Ergo-Luft zu schnuppern. Mit großem Einsatz waren sei für das angenehme und kommunikative Ambiente engagiert.
Es war gegen 22:00 Uhr als die letzten Gäste das Kino verließen und wir schauen erfüllt und zufrieden auf diesen Tag der Ergotherapie zurück.
